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11.06.2008

Schweiz-Türkei im 11FREUNDE-Ticker

Nacht der Arschbomben

Text: Andreas »Joseph« Bock und Fabian »Maria« Jonas  Bild: Imago

Eine Halbzeit Schwimmen, eine Halbzeit Fußball. Die Schweiz siegt im Wasser, die Türkei im Ballsport. Ergibt in der Summe das EM-Aus der Gastgeber. Die ganze Dramatik der Regenschlacht findet Ihr hier im Protokoll.

Schweiz-Türkei im 11FREUNDE-Ticker - Nacht der Arschbomben


Das war es. Die Schweiz ist draußen. Warum, das werden sich die Eidgenossen wohl noch Jahre fragen. Weil die Türkei ihre Chancen nutzten und die Schweiz eben nicht, meinen wir. Drei gegen Eins, Drei gegen Eins. Auch wenn man es nicht wie Poschi doppelt und dreifach sagen muss, aber so ein Ding muss dann halt rein. So war er auf der anderen Seit drin.

Wir gehen jetzt Nager jagen und melden uns morgen wieder. Bis dahin!



93. Köbi Kuhn guckt wie ne Sonderbriefmarke aus dem Jahr 1973.

92. Schweiz ist raus.

92. TOOOOOOOOR! Jetzt gibts Kloppe. In der 92. Minute zieht Arda aus 17 Metern ab. Leicht abgefälscht, Begnalio etwas zu weit vor dem Tor, der Ball senkt sich hinter ihm ins Netz. Die Schweiz so gut wie draußen. Oder ganz draußen. Wo ist Kirschneck (aka ran-Datenbank), wenn man ihn braucht?

90. »Volkan, immer wieder Volkan«, sagt unser Mann beim ZDF nach einer wackligen Abwehr des türkischen Keepers. Gewiss. Gewiss. Noch vier Minuten im Wankdorf Stadion von Basel. Keiner wankt. Und auch der Regen prasselt unaufhörlich. Tut er gar nicht mehr? Egal!

86. Späher Jonas korrigiert: »Es waren wirklich drei gegen eins.« Gewiss, Herr Jonas. PS: Morgen zum Brunch mit Poschi verabredet? Oder Pizzaränder naschen?

83. Drei gegen eins, drei gegen eins, drei gegen eins, schreit Poschi aus dem Bildschirm in unsere wohltemperierten Wohnzimmer. Und ja, es stimmt: Drei gegen drei. Doch die Schweizer scheitern kläglich. Demirel sieht mittlerweile aus wie nach nem Bauchklatscher im Westersteder Watt.

80. Zehn Minuten noch, liebe Tanzteefreunde. Die Schweizer Fans wippen zu unverständlichen Fanliedern (doch nicht etwa: »Wir haben euch was mitgebracht: Hass, Hass, Hass«?), Altintop (der von Bayern) jedenfalls schickt ne Flanke in den Rücken der Abwehr und sendet fett Props an seinen Bruder.

76. Sagte Poschmann gerade »Nun ist Musik drin in der Partie«? Liest Poschi etwa hier mit? Milli Vanilli, nä! Poschi, du alter Abgucker!

73. Wenn Poschi weiter so krakeelt, schalten wir gleich um aufs DSF. Es soll ein Best-Of-LKW-Ziehen laufen. Das hier ist jedenfalls viel zu aufregend für uns alte Männer.

73. »Was für eine Chance, was für eine Chance für Nihat, einen Schritt zu spät«, schreit Poschi und braucht ausnahmsweise nicht mal die Zeitlupe, um sicher zu sein, dass es so war und nicht anders. So war es aber auch wirklich, Vorarbeit Tuncay und Nihat rutscht an der Flanke vorbei.

66. Hin und her und her und hin, rechts und links und links und rechts. Zu spät, zu spät. Wenn man bei Poschi ein bisschen nachhülfe, könnte noch ein veritabler Lyriker aus ihm werden. Nr. 9 von vorhin war übrigens auch schon Semih.

59. Es war Semih. Und jetzt, weiß Poschi, »ist Alarm im Spiel«. Poschi, der gerade seinen Yogi-Tee ausgetrunken und den Rand der Pizza für Bela Rehty in ein Tubberdöschen gesteckt hat, kommt nun richtig in Fahrt. Die Namen zieht er in die Lääääänge, fragt ständig »Was macht er?« und jauchzt und gackert. Und dann sagt er noch: »Links und rechts, und rechts und links«. Also: RICHTIG WAS LOS HIER!!!

57. TOOOOOOOOO=00000000000oooooooooooo000000RRRRRRRRRR!!!! Flanke von Nihat, Hrubesch hält den Kopf hin. Oder war es Semih? Wie auch immer: Keine Chance für Begnalio!

55. Übrigens: Neben »Blame it on the rain« ist auch »Girl I'm gonna miss you« von Milli Vanilli zuz empfehlen. Quasi Hit.

52. Nummer 9 der Türken steht im Abseits. Versenkt trotzdem aus 16 Metern eiskalt. Aber so was von. Ob Nelson Valdez gerade vor dem Fernseher sitzt und sich in seinen Block (kariert, DIN-A4) hineinschreibt, wie das so geht, mit dem Toreschießen. Vielleicht aber erspäht ihn ja gleich Herr Fassbender, pardon, Herr Jonas im Stadionrund. MIt Havanna.

49. Zurück zum Spiel. Kollege Jonas will Maradona gesehen haben. Im Presswwurstmantel mit Havanna im Mundwinkel?

46. Jemand trocknet mit »der größten Klorolle der Welt« (Poschmann) die Sitze ab. Kommt gleich Thomas Gottschalk und erklärt die Saalwette? »Wetten, dass Sie es nicht schaffen, einen alten zornigen Mann mit der größten Klorolle der Welt ins Baseler St. Jakob-Park zu schicken, der alle nassen Sitze in zehn Minuten trocken wischt!«

46. Eben im »heute-Journal«: Bush und Merkel spazieren romantisch durchs Grün. Bush bemerkt die Kamera (rotes Licht neben Linse), legt kurz den Arm um Merkel (Kumpelin) und grinst (leicht debil). Irgendwie erinnert das an Kloppo und Urs. Nur: Wer ist wer?

45. Das war’s mit der ersten Halbzeit. Die Schweiz gewinnt die 400 Meter Lagen. Wir sind gespannt, ob die Türken noch im Freistil aufkommen. Im Schwimmen oder Ringen, mal sehen. Jetzt freuen wir uns erstmal auf Wasserwalzen und besorgte Funktionäre. Regen ist aber weniger gworden. Bis gleich!

43. »Tümer greift sich dahin, wo der Schmerz am größten ist« (Poschmann), »Tümer hält sich den unangenehmen Bereich« (Lukas Podolski), »Aua, Scheiße!« (Wir)

41. Aurelio bekommt Gelb, weil er Behrami von hinten getaucht hat. Bademeister Lubos Michel ist unerbittlich und weist darauf hin: Bitte nicht vom Beckenrand springen!

37. Sieht alles aus wie im Regenspiel von Nürnberg. Permanent rennen die Jungs weiter, der Ball bleibt liegen. Immerhin eine Chance für Grobmotoriker: Bei den Verhältnissen stoppt sich der Ball von selbst. Wir würden also gerne mitspielen!

35. Jetzt vielleicht ein bisschen zu viel Gefühl für das Land seiner Eltern. Völlig frei versemmelt Yakin eine erneute Hereingabe. Es fragt sich allerdings, ob das alles noch regulär ist.

32. TOOOOOOOOOOOR für die Schweiz!!!! Derdiyok setzt sich rechts durch, spielt in die Mitte auf Yakin. Der Ball bleibt in einer Pfütze liegen, Yakin kommt noch dran und macht erst das Tor und dann den Poldi und freut sich nur ein bisschen!

31. Wenn das so weitergeht, dann können die Spieler bald Arschbomben üben, der Ball rollt kaum noch vor Nässe. Noch aber sind die Gemüter nicht abgekühlt, es geht recht hart zur Sache.

29. Kollege Aptius hat, nachdem er eben noch Fallen aufstellte, jetzt offenbar Langeweile und macht Balltricks. Derweil kommen die Türken nach einem Freistoß zu einem Pfostenkopfball. Mann war das knapp!

25. Freistoß aus 24 Metern für die Schweiz. Formvollendet lehnt Demirel mal wieder am Pfosten und dirigiert die Mauer. Ebenso formvollendet kratzt er dann Barnettas Schuss von der Linie.

23. »Super Chance für Yakin und Super-Parade von Demirel«, jauchzt Super-Poschi. War aber wirklich gut. Auf halblinks drischt Yakin den Ball aus 22 Metern in Richtung Tor. Demirel, der Fuchs, taucht ab und klärt.

21. Die Türkei drängt, wie das im Fachjargon so heißt.

16. Falls Sie, liebe Livetickergemeinde, sich fragen, warum es hier nur alle Jubeljahre mal zu nem Eintrag kommt: Die Raabestraße (Sitz der Redaktion) ist von Nagern befallen worden. Über Nacht. Ganz unerwartet. Vielleicht weil im Kühlschrank Lebensmittel mit Ablaufdatum 1.7.1986 gären. Wir wissen es aber nicht genau...

14. Das wird ne Schlacht. Es regnet wie seit 1954 nicht mehr und Poschmann bedient die schönste Metahper des Turniers: »Er steht im Regen«. Er meint: Terem. Poschi hat gut reden. Er hat es sich mit Yogi-Tee, Smileys-Pizza und Heizdecke in der Sprecherkabine formerly known as Bela Rethys Besenkammer bequem gemacht.

12. Collina sitzt auf der Tribüne und liest ein Buch. »Ich« von Olli Kahn. Wir empfehlen »Alles - ein fiktiver Tatsachenroman«. Von Bodo Illgner.

7. Die Wolken hängen tief. Die Türken bisher bemühter. Poschmann noch Herr der Worte. Hakan Balta läuft Blut den Hals hinunter. Irgendwie surreal.

6. Die Türken werden aussichtsreich zurück gepfiffen. Abseits, sagt der Schiedsrichter. Gleiche Höhe, Leichtathletik-Fachmann Poschmann. Hm. Randale?

3. Behrami wird gefoult. Der Mann von Lazio Rom hat fancy Tätowierungen am Unterarm. Fast so fancy wie die von Bushido. Von H&M?

2. Nein.

1. Freistoß für die Türkei. Geht da was? 47 Meter vor dem Tor.

20:43 Uhr: Die Hymnen. Ludovic inbrünstig. Und dann zwinkert er uns zu. Wie abgemacht. Das Zeichen. Schweiz gewinnt 3:1.

20:43 Uhr: Wir möchten mit einem Gedicht von Berti Vogts in die Partie gehen:

Ein bisschen mehr Friede und weniger Streit, ein bisschen mehr Güte und weniger Neid, ein bisschen mehr Liebe und weniger Hass ein bisschen mehr Wahrheit, das wäre doch was . . .

Amen, los geht's

20:39 Uhr: Ups, nun mal wieder hinaus aus dem Delorean, Doc!

20:40 Uhr:

20:34: Gieselmann verabschiedet sich - Schlittenfahren auf dem Prenzlauer Berg - und fragt: »Was hat das mit dem Spiel zu tun?« Blöde Frage. Wird sich noch wundern, der Gieselmann.

20:29 Uhr: N’Abend allerseits. Es begrüßen Sie, liebe Cricket- und Hockeyfans, Fabian Jonas (Heribert Fassbender) und der andere (Wolfram Wuttke). Zunächst wieder ein paar Informationen aus dem Trivialkabinett: In der heutigen Mittagspause schnappten wir folgendes auf: Helmut Markwort, Focus-Chefredakteur, war früher beim »Bussi Bär«. Ebenfalls Chef.


Hier schon mal alles Wissenswerte vorab:







»Manche glauben Fußball sei eine Sache auf Leben und Tod. Ich mag diese Haltung nicht, es ist viel ernster als das.« Nicht wenige Fußballer würden die Worte des Schotten Bill Shankly in ihrem Poesie-Album in der Rubrik »Lebensmotto« voller Inbrunst niederschreiben, und sich dementsprechend auch auf dem Spielfeld verhalten. Die beiden Mannschaften, die heute schon die letzte Chance auf den Viertelfinal-Einzug am Schopfe packen müssen, lieferten vor drei Jahren ein Paradebeispiel für Shanklys These. Nach dem 4:2-Erfolg der Eidgenossen in Istanbul wurde nach Beendigung der fußballerischen Auseinandersetzung der Ländervergleich mit Fäusten und Fußtritten weiter ausgefochten. Gefangene machte keiner der beiden Kontrahenten. Doch wie die amerikanischen Ureinwohner einst die Friedenspfeife miteinander rauchten, scheint auch hier das Testosteron dem süßen Duft der Harmonie gewichen. Fatih Terim will von den Vorfällen jedenfalls nichts mehr wissen. »Heute herrscht Fairness und Freundschaft auf dem Rasen«, gibt der türkische Übungsleiter vorschriftsmäßig zu Protokoll. Nur die Kollegen vom Boulevard können mit der Schmuserei mal wieder herzlich wenig anfangen und feuern beherzt Giftpfeile ab. »Wir haben nicht vergessen», titelt der Schweizer »Blick«.

P.S.: Die Antwort kam prompt. »Die Schweizer provozieren und hetzen wieder«, heißt es ausgerechnet in der türkischen Zeitung »Fanatik« (ein Schelm, wer böses dabei denkt).

Schweiz: Benaglio – Lichtsteiner – Senderos - Müller - Magnin - Behrami – Inler – Fernandez – Barnetta – Derdiyok - Yakin

Türkei: Volkan – Gökdeniz Karadeniz - Emre Asik - Servet Cetin – Hakan - Hamit Altintop - Mehmet Aurelio - Tuncay Sanli – Arda – Nihat - Tümer Metin






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